Das Heidelberger Modell des Literarischen Unterrichtsgesprächs in Theorie und Praxis
Projektdauer:
01.08.08 bis 30.09.14
Kurzinhalt:
Beim Heidelberger Modell des Literarischen Unterrichtsgesprächs handelt es sich um ein literaturdidaktisches Konzept, das in den ausgehenden 1990er Jahren von einer Forschergruppe um Prof. Dr. Gerhard Härle entwickelt wurde und seither in unterschiedlichen Teilprojekten konkretisiert wird. Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses steht die Frage nach den Möglichkeiten zur Anbahnung literarischen Verstehens, weshalb sich Härle und sein Forschungsteam intensiv mit der theoretischen Konturierung und didaktischen Modellierung der Planung, Leitung und Durchführung Literarischer Unterrichtsgespräche an der Schule und Hochschule beschäftigen. Dabei berufen sich die Autoren u.a. auf aktuelle sprach- und literaturtheoretische Ansätze (Manfred Frank), auf gesprächspädagogische Prinzipien der Themenzentrierten Interaktion (Ruth Cohn) und auf die Spracherwerbstheorie (Jérôme Bruner). Aus der sinnvollen Verschränkung der drei Ansätze lassen sich Modelle zu spezifischen Ausprägungen Literarischer Unterrichtsgespräche in allen Schularten und Schulstufen konzipieren, die sowohl dem literarischen Text und dessen ästhetischer Wertigkeit als auch den Lernenden (Schülerinnen und Schüler sowie Studierenden) und Lehrenden/Leitenden gerecht werden. Diese fruchtbare und erstrebenswerte Verknüpfung eröffnen dabei jene Lernprozesse, die „literarisches Verstehen“ nicht als ‚Vorgabe‘, sondern als ‚gemeinsame Aufgabe‘ aller Beteiligten im Literarischen Unterrichtsgespräch auffassen: in der Begegnung mit dem literarischen Text und der PartizipantInnen. Lernende können im Gespräch Verstehenshypothesen vorläufig erproben; durch den Anderen, das reale Gegenüber, werden diese probeweise versprachlichten Deutungshypothesen angereichert, modifiziert, aber auch revidiert, wodurch die am Gespräch Beteiligten ihren Verstehenshorizont erweitern können. Dieser gesprächsförmige Prozess der Sinnzuschreibung und -aktualisierung wird als ein dynamischer und dialogischer Prozess aufgefasst, der prinzipiell unabschließbar ist, weshalb an die Stelle der auf Eindeutigkeit und Abschließbarkeit des Verstehens zielenden geschlossen Interpretation wie im traditionellen ‚fragend-entwickelnden Unterrichtsgespräch‘ eine Haltung der Annäherung und Begegnung an den Text und das reale Gegenüber im ‚Literarischen Unterrichtsgespräch‘ tritt.
Ergebnis:
Ausgehend von der Konzentration auf die Lehrerbildung an der Hochschule in den 90er Jahren wurde das Konzept des Literarischen Unterrichtsgespräch mittlerweile in allen Schularten und Schulstufen erprobt, weiterentwickelt und in zahlreichen Qualifikationsarbeiten (Staatsexamens-, Diplom- und Magister- und Masterarbeiten sowie Dissertationen) auch empirisch erforscht und publiziert.