Kurzinhalt
Vorzeitige Ausstiege von Lehrkräften werden in der geplanten Studie als bislang wenig beachtete, aber relational verwobene Gegentendenz zu jener auf Machbarkeit, d. h. auf Ökonomisierungs-, Coping- und Resilienzstrategien hin ausgerichteten Struktur des Bildungssystems untersucht. Im Mittelpunkt der diskursanalytischen Studie stehen dabei die in diesbezüglichen Erzählungen von vorzeitig gegangenen Lehrkräften eingesetzten Zuschreibungspraktiken, also jene sprachlichen Strategien, mit welchen der Ausstiegsprozess entworfen wird. Der Begriff des Scheiterns wird dabei nicht in einem alltagssprachlichen, sondern bildungstheoretischen Sinn verstanden und zugrunde gelegt. Obwohl das Scheitern als Phänomen in Bildungs- und Erziehungsprozessen präsent ist, lässt sich hier von einem veritablen Forschungsdefizit sprechen, insofern diese anthropologische Figur jenseits von Untersuchungen der Professionalisierungsprozesse und des Mobilitätsverhaltens von Lehrkräften, kaum empirisch beforscht wird. Die Studie strebt diesbezüglich an, Prozesse des Scheiterns in biografischen Erzählungen von ausgestiegenen Lehrkräften mit Fokus auf die hierin erkennbaren Formationen der Kritik sinnrekonstruktiv zu erschließen, um differenzierte Aussagen über den diskursiv hervorgebrachten Zusammenhang von schulischen Organisationsstrukturen und dem diesbezüglichen Erleben von Lehrkräften treffen zu können.