Forschungs- & Publikationsdatenbank
Publikation Nr. 3768 - Details

Personaldeixis und Deixisversetzung im Psalter des AT.

Personaldeixis und Deixisversetzung im Psalter des AT.
"Mesch, B. (2020). Personaldeixis und Deixisversetzung im Psalter des AT. , Uni Heidelberg (digital).
Vortrag


URL: https://lingdrafts.hypotheses.org/1898


Abstract
offenbart sich das Wort Gottes selbst. In beiden Fällen handelt es sich literarisch gesehen um gestaltete Sprechsituationen, in denen zwischen Sprecher und Hörer komplexe und vielseitige Deixissysteme etabliert werden. Insofern zwischen beide, Sprecher und Hörer, zusätzliche kommunikative Redeinstanzen geschaltet werden, verkompliziert und verdichtet sich das Wechselspiel deiktischer Prozeduren und erhöht sich zugleich die Herausforderung an die Leser/innen.

Besonders deutlich zeigt sich dies in der Gestaltung der Personaldeixis insbesondere der Psalmen, bei denen es sich unter formalem Gesichtspunkt ursprünglich um Hymnen bzw. Klage- und Danklieder handelt mit ihrem je eigenen „Sitz im Leben“ und der entsprechenden situativen Deixis. Sieht man von textgenetischen Fragestellungen ab, was in nicht-wissenschaftlichen Kontexten zumeist der Default ist, begegnet man einer kaum durchschaubaren Sprecher(gruppen)deixis, die zudem durch diverse Aspekte der Sozialdeixis überlagert wird, bei der die sprecherseitige Verwendung von Balance- statt Distanzformen (Zifonun et al. 1997) und die jähe Durchbrechung sprecher-hörerdeiktischer durch die Verwendung phorischer Ausdrücke Nähe und Distanz des Sprecher-Hörer-Verhältnisses definieren.

Die Sprecher(gruppen)deixis selbst ist geprägt von zahlreichen, dicht aufeinanderfolgenden im Bühler´schen Sinne verstandenen Origoverschiebungen und Origoversetzungen, von krassen, vermeintlich Inkohärenz bewirkenden Deixisbrüchen, die hörer- wie leserseitig einerseits den Nachvollzug des permanenten Shiftings (vgl. Blühdorn 1995) abverlangen, andererseits Probleme der Origofestlegung (Meibauer 2001) mit sich bringen. Kommen zur Analyse der situativ bedingten Personaldeixis weitere Modi der Deixis wie die Diskurs-/Text- und (ana)phorischen Deixis hinzu (Meibauer 2015), entsteht ein kaum durchschaubares Geflecht an Bezügen, die relativ schwer zu prozessieren sind.

Im Abgleich dazu nimmt die (personal)deiktische Gestaltung im NT und dort insbesondere in den Reden Jesu qualitativ gänzlich andere Formen an, insofern hier beispielsweise mit dem Typ von Redewiedergabe in Form von Zitaten aus dem Psalter operiert wird (Heißt es nicht in eurem Gesetz: „Ich habe gesagt, Ihr seid Götter?), was ein neues Licht wirft auf die textorganisierenden und textsortenspezifischen Leistungen der Personaldeixis (vgl. Redder 2000) auch der zitierten Quellen, die einschlägig sind.


Literatur
Blühdorn, Hardarik (1995): Was ist Deixis? In: Linguistische Berichte Jg. 156 (1995), S. 109-142.
Meibauer, Jörg (2001): Pragmatik. Eine Einführung. 2., verb. Aufl., Tübingen: Stauffenburg.
Meibauer, Jörg (2015): Einführung in die germanistische Linguistik. Stuttgart, Weimar: Metzler.
Redder, Angelika (2000): Textdeixis. (HSK-Artikel) In: K. Brinker et al. (Hrsg.) Text- und Gesprächslinguistik. Ein internationales Handbuch. Bd. 1. Berlin: de Gruyter, 283-294.
Zifonun, Gisela/Hoffmann, Ludger/Strecker, Bruno (1997): Grammatik der deutschen Sprache. Berlin, New York: Mouton de Gruyter.


Attribute

Sprache:
Art der Begutachtung: Peer Review(Double-blind peer review)
Print: Nein
Online: Nein
Datenmedium: Nein
Informationen | Suchen (Hauptmenü)