Psychologische Determinanten der Validität mündlicher und schriftlicher Wissensdiagnosen
Psychological determinants of validity of oral and written knowledge diagnoses.
Projektdauer01.07.01 – 30.06.02
EinrichtungFak I
InstitutPsychologie
Kurzinhalt
Bei der begründeten Wahl der verbalen Modalität der Wissensabfrage und Leistungsbewertung sind die beteiligten Personen (Schul- und Hochschullehrer) und ihre Institutionen (dokumentiert etwa durch die Vorgaben in Studienordnungen) weitgehend auf sich gestellt. Der vom Antragsteller in mehreren Untersuchungen gefundene Schriftlichkeitsüberlegenheitseffekt zeigt, dass mündliche und schriftliche Wissensabfragen diagnostisch nicht gleichwertig sind; vielmehr befördert zumindest bei listenartigem Faktenwissen die schriftliche Wiedergabe - bei gleichem Kenntnisstand des Probanden - bis zu 20 Prozent mehr Wissenselemente zu Tage als die mündliche Abfrage. Mit Blick auf eine diagnostisch valide und intersubjektiv faire Wissensbeurteilung erscheint dieser Befund äußerst relevant. Das Forschungsvorhaben gliedert sich in einen anwendungsbezogenen und einen grundlagenwissenschaftlichen Zweig: Welche Faktoren beeinflussen die optimale Wissensdiagnose in den Praxiskontexten der Schule und der Hochschule? Und wie lässt sich das Wirksamwerden dieser Faktoren theoretisch begründen?
Ergebnis
Neben einer Stabilisierung des oben genannten Schriftlichkeitsüberlegenheitseffekts deutet sich eine Dissoziierung der Einflüsse des Arbeitsgedächtnisses und des Langzeitgedächtnisses beim Prozess der verbalen Wissenswiedergabe an. Der zeitlich länger dauernde Abrufprozess aus dem Langzeitgedächtnis bei schriftlicher Wiedergabe scheint eine Aktivierung der relatierten Wissensrepräsentationen gegenüber mündlicher Wiedergabe zu begünstigen, während bei reinen Gedächtnisspannenaufgaben die Automatisierung der jeweiligen motorischen Fähigkeiten eine entscheidende Rolle spielt. Bei Kindern, deren motorische Schreibkompetenz noch sehr aufmerksamkeitskonsumierend ist, schlägt der Effekt der Aufmerksamkeitsbelastung generell stark zu Buche, weshalb hier kein Schriftlichkeitsüberlegenheitseffekt zu erwarten ist. Insgesamt scheint beim Abruf aus dem Langzeitgedächtnis zwischen den verbalen Modalitäten (mündlich vs. schriftlich), aber nicht innerhalb der verbalen Modalitäten (z. B. geübte vs. ungeübte Schreibtechnik) ein bedeutsamer Unterschied zu bestehen.
Projektbeteiligte
JGProf. Dr. Grabowski, JoachimWissenschaftliche MitarbeitProfil